40 Jahre Gemeindepartnerschaft/REL

40 Jahre Gemeindepartnerschaft in der Einen Welt

- AKTION RETTE EIN LEBEN

 

Die Diskussion um den Erhalt des alten Kirchturms war im Jahr 1972 die Geburtsstunde der Gemeindeaktion „RETTE EIN LEBEN“ (REL). Viele Gemeindemitglieder, die Gemeindeleitung und insbesondere die damalige Jugend sahen die Notwendigkeit, „über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen“. Das führte dazu, dass an MISEREOR die Bitte gerichtet wurde, der Gemeinde ein Projekt zur Finanzierung vorzuschlagen. Als dieses Projekt im Mai der Gemeinde vorgestellt wurde, zeigte die Reaktion, dass die Aktion REL von Anfang an als Aufgabe der gesamten Gemeinde angenommen und unterstützt wurde. Durch Beschlüsse desPfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes wurde die Aktion REL fester Bestandteil des Gemeindelebens.

 

Der Arbeitskreis EINE WELT ist seit 1973 so etwas wie der „innere Motor“ der Aktion REL. In dieser Funktion berät er den Pfarrgemeinderat im Rahmen der Gemeindepartnerschaft. Im Rahmen der Aktion REL nimmt die Gemeinde teil an der weltweiten Verantwortung der Christen für Gerechtigkeit und Frieden. Zu Beginn wurden Projekte von MISEREOR unterstützt. Seit 1984 besteht eine Partnerschaft zur Gemeinde Nossa Senhora da Gloria in Sao Luis im Nordosten Brasiliens.

 

Die Projekte im Einzelnen: 

  1.  1972 – 1974 Finanzierung einer Krankenstation in Asangaon/Indien in der Nähe von Bombay
  2.  1974 – 1977 Finanzierung des Aufbaus einer Fischereigenossenschaft, der Probephase für Außenbordmotoren der traditionellen Fischerboote, eines Bildungsprogramms für Frauen und Mädchen sowie des Aufbaus einer  Fischvermarktung in Marianad/Südindien
  3.  1977 – 1978 Finanzierung von Werkstätten für Jugendliche im Slum Mathare Valley in Nairobi/Kenia
  4.  1978 – 1981 Finanzierung der Kultivierung von landwirtschaftlichen Flächen im Mpanyura-Tal/ Tanzania
  5.  1981 – 1984 Finanzierung eines landwirtschaftlichen Ausbildungszentrums in Charagua/Bolivien


Eine Neuorientierung - Sao Luis / Brasilien
1984 wurden über die Franziskaner-Mission Kontakte zur Gemeinde Nossa Senhora im NordostenBrasiliens geknüpft. Diese über 100.000 Einwohner zählende Gemeinde widmet sich in besonderer Weise Kindern und Jugendlichen, aber auch den werdenden Müttern und gefährdeten Familien. Arbeitsschwerpunkt der Gemeinde ist die Pfarrschule „Frei Alberto“. Entstanden aus einer Gemeindeinitiative bietet die Schule heute ca. 1.000 Kindern eine Startchance ins Leben und ca. 80 Lehrerinnen einen Arbeitsplatz. Neben dem Unterrichtsangebot gibt es für die Kinder offene Angebote im so genannten „Albertao“. Leiter der Schule ist der Franziskaner Frei Zacharias. 


Seit Juni 2012 gibt es nun eine Gemeindepartnerschaft zu dem MISEREOR-Projekt "Christen und Muslime gemeinsam gegen die Wüste" in Dori/Burkina-Faso
https://www.misereor.de/spenden/spendenprojekte/burkina-faso-gemeinsam-gegen-die-wueste/?sword_list[]=Dori&no_cache=1

 

Aktion „Rette EIN LEBEN“ -  verankert im Gemeindeleben

Zahlreiche Dauer- und Einzelspenden sowie die vier REL-Kollekten pro Jahr sind Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung für die Eine Welt. Dass dieses Geld seit nunmehr 40 Jahren nicht für Bauten und materielle Werte Verwendung findet, sondern in Menschen investiert wird, darüber sind wir besonders froh. Denn Ziel der Aktion REL ist es mitzuhelfen, Menschen zur Selbsthilfe und Selbstbestimmung zu befähigen.

Mit vielen Ideen bemüht sich der Arbeitskreis EINE WELT zusammen mit Gruppen und Vereinen aus der Gemeinde, die notwendigen Gelder aufzubringen. Das Sternsingen mit in den letzten Jahren mehr als 15.000 € Erlös pro Jahr ist Ausdruck dafür, das Jung und Alt das Anliegen der Aktion REL unterstützen. Daneben sind die Bücherflohmärkte mit ca. 40 Helferinnen und Helfern z. Zt. die größte Einnahmequelle. Sie finden viermal im Jahr statt und erbringen pro Jahr mehr als 20.000 €.. Als weitere Einnahmequellen seien genannt der bis 2011 stattgefundene Ewaldi-Adventsbasar, die Überschüsse aus dem, EINE -WELT-Markt, Spenden bei Geburtstagen und Beerdigungen sowie in der Vergangenheit die REL- Märsche /  Solidaritätswanderungen und die Altpapiersammlungen.
Der finanzielle Erfolg der Gemeindepartnerschaft ist beeindruckend. Im Laufe von 40 Jahren kamen ca. 1,9 Mill. € zusammen. Nachdenklich stimmt die Erfahrung, dass das Interesse an Eine-Welt-Fragen über die Aktionen und Kollekten hinaus nur sehr begrenzt ist. Doch getreu dem brasilianischen Sprichwort: „Die Hoffnung wird zuerst geboren und stirbt zuletzt“, haben wir immer wieder Ermutigung durch die Ausdauer und begeisternde Kraft der Schwestern und Brüder in den Projekten und in Brasilien erhalten. Alle, die sich intensiver auf die Begegnung mit den Menschen aus der Einen Welt eingelassen haben, wie z.B. beim Weltjugendtag 2005, erfuhren dadurch eine Bereicherung und neue Freiheit im Glauben und gegenüber den Zwängen unserer Gesellschaft.

 

In den vergangenen Jahren wurden Aktivitäten im Rahmen der Aktion REL dreimal mit dem Agenda-Siegel der Stadt Dortmund ausgezeichnet. Im Sommer 1999 wurde zwei Mitgliedern des Arbeitskreises EINE WELT, dem Ehepaar Göbel, für ihren Einsatz in der Gemeindepartnerschaft das Bundesverdienstkreuz verliehen. Diese  Auszeichnungen gelten auch all den Vielen, die mitgewirkt haben und weiterhin sich aktiv einsetzen „... damit sie das Leben haben“.

 

Selbstverständlich gehört zur Aktion REL auch die Lobbyarbeit für eine gerechtere Welt, denn das Reich Gottes ist nicht gleichgültig gegenüber den „Weltmarktpreisen“ (Würzburger Synode). Zu nennen wären hier: Mitwirkung bei Hearings mit Bundestagskanditatinnen und – kandidaten, Vorträge, Bildungsveranstaltungen z.T. gemeinsam mit den Vereinen, Mitarbeit des Arbeitskreises Eine Welt in übergemeindlichen Gremien (MISEREOR, auf Stadtebene im Informationszentrum Dritte Welt und beim Weltladentreff), Zusammenarbeit mit der Welt-Gruppe der evangelischen Georgs-Gemeinde und den Gemeinden unseres Pastoralverbundes, vielfältige Unterschriftenaktionen, Medienarbeit, Erlassjahrkampagne, Aktionen rund um den FAIREN Handel, ...

 

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